DB mit Pfiff

Eine Ausgabe der Zeitschrift Eisenbahn-Journal (4/11) enthält enen lesenswerten Beitrag von Joachim Seyferth über die legendäre Zeitschrift "DB mit Pfiff". Es handelt sich zwar um einen etwas launischen Rückblick auf die "gute alte Zeit", als die Staatsbahn sich noch um die Bindung von Jugendlichen kümmerte, bei dem Informationen zur Geschichte der Zeitschrift eher zurücktreten. Doch ist der Beitrag schon deshalb interessant, weil er an die vor 25 Jahren eingestellte Publikumszeitschrift der DB erinnert.

Tatsächlich hat die DB die Zeitschrift von 1957 bis 1986 herausgegeben, und die Hefte waren an großen Bahnhöfen kostenlos erhältlich. Und tatsächlich richteten sie sich überwiegend im Reportagenstil an technikbegeisterte Jungs, die sich für die Eisenbahn zu interessieren begannen. Die Machart war häufig zukunftsweisend, zeitzweise geradezu poppig. Als besonders gelungen mögen die ältesten Hefte gelten, die in Farbe und mit vielen aquarellartigen Umsetzungen von Fotomotiven eine hohe Wertschätzung der Produzenten erkennen lassen.

Durch die guten persönlichen Kontakte zu anderen technikhistorischen Museen in Niedersachsen erhielt ich das Angebot, das für die Jugendzeitschrift "DB mit Pfiff" angelegte Fotoarchiv des Senator-Verlages für das Kleinbahn-Museum Bruchhausen-Vilsen zu übernehmen. Der Nachlaß des langjährigen Redakteurs Dr. Helmut Lichtenfeld mußte im Sommer 2003 rasch abgeholt werden, das Sortieren und dauerhafte Einlagern erfolgte anschließend. Nach Information von Dr. Alfred Gottwaldt handelt es sich um den in Ausgabe 1/1967, S. 3 abgebildeten "Geschäftsreisenden" um den Redakteur und Verlagsinhaber Dr. Lichtenfeld.

Neben zahllosen Dias und Abzügen, die allerdings nicht nach Interessen von Eisenbahnfreunden sortiert sind, gehörten auch einige Jugendbücher mit Eisenbahn-Themen dazu. Außerdem kamen etwa 3 Umzugskartons DB-mit-Pfiff-Hefte zu dem Konvolut, aus denen ein nahezu vollständiger Satz zusammengestellt werden konnte. Es hat sich gezeigt, daß das Konvolut seinen Bezug zur DB-Geschichte aufweist und daß leider keinerlei Schreiben darunter sind.

Daher ließe sich die Geschichte der Zeitschrift DB mit Pfiff durch bloßes Auswerten des Bestandes nur sehr unvollkommen aufarbeiten. Außerdem paßt das Thema kaum zum Kleinbahn-Museum Bruchhausen-Vilsen. Daher freue ich mich über die Bereitschaft des Deutschen Technik-Museums Berlin (Oberkustos Dr. Alfred Gottwaldt), das Konvolut zu übernehmen. Dort sind sicher weitaus bessere Voraussetzungen gegeben für eine wissenschaftliche Aufarbeitung der Mediengeschichte der legendären Zeitschrift "DB mit Pfiff".

Pfiff 2/57 zum Download (6,8 MB)

Pfiff 3/57 zum Download (4,6 MB)

Zum Abschluß das Editorial der ersten Ausgabe, das die Zielrichtung eindrucksvoll beschreibt (download der ersten 3 Seiten):

"Liebe Leser, die Ihr das Glück habt, noch jung zu sein oder Euch doch noch jung zu fühlen - liebe junge Leser also!

Wir stellen Euch eine Zeitschrift vor, - bestimmt für Euch, die Ihr Freunde der Bundesbahn seid - oder es werden sollt! Eine Zeitschrift, die PFIFF heißt und Pfiff haben wird. Denn - Ihr interessiert Euch doch für das technische Geschehen unserer Tage, nicht wahr? Ein Geschehen, aus dem die Bundesbahn Deutschlands mit Abstand größter Verkehrsträger, nicht fortzudenken ist.

Wir wollen Euch künftig regelmäßig durch ihr großes Reich führen - über mehr als 30.000 km lange Schienenwege - über modernste Bahnhöfe - durch Industrieanlagen und verträumte Landschaften - auf Güter-, Personen- und Schnellzuglokomotiven, Ihr werdet bei uns stehen, wenn wir den Regler einer Schnellzuglok öffnen und einen 750 Tonnen schweren D-Zug in Bewegung setzen. Ihr werdet dabeisein, wenn wir die Stromabnehmer einer modernen Ellok hochfahren. Und Ihr werdet das einmalige Gefühl spüren, das uns überkommt, wenn wir zu Herren über Tausende von Pferdestärken werden - wenn wir bei 120 kmlh durch die breiten Fenster des Führerstandes einer V 200 blicken und Schienenstränge und Landschaften auf uns zueilen.

Ihr werdet kennen lernen, was alles geschehen muß, damit eine Kiste - vielleicht mit Landwein, den Euer Onkel zum Geburtstag der Mutter geschickt hat - durch die Nacht rollt und wohlbehalten bei Euch ankommt. Eine Fahrt von Köln nach "Äppelringhausen" könnt Ihr mitmachen und dabei erleben: wie die Bundesbahn auch entlegene Gebiete erschließt, Wir wollen Euch viel Interessantes zeigen und berichten. Und wenn Ihr darüber hinaus noch Wünsche und Fragen habt - wünscht und fragt munter drauflos! Wir werden antworten.

Nun aber - bitte einsteigen! Es geht los! Mit Euch, Ihr jungen oder doch junggebliebenen Leser, die wir herzlich grüßen! Eure Bundesbahn"