Sicherheitsbescheinigung für Museumsbahnen

VDMT-Herbsttagung Zittau, 7. 11. 2010

 

Manuskript für einen Beitrag auf der VDMT-Seite im Eisenbahn-Magazin 11/1

Fachvorträge zur Sicherheitsbescheinigung

Nach vielen Fragen von VDMT-Mitgliedsbahnen zur Sicherheitsbescheinigung (SiBe) und zu dem zugrundeliegenden Sicherheitsmanagementsystem (SMS) wurden auf der VDMT-Herbsttagung in Zittau zwei Fachvorträge dazu angeboten. Denn die europäische Wirtschaftsliberalität erfordert im Eisenbahnbetrieb nun neue, umständliche Regelungen, die in Deutschland durch das hohe Niveau der eisenbahnbetrieblichen Fachausbildungen sowie die Verantwortlichkeit der Eisenbahnbetriebsleiter in den 175 Jahren bis heute nicht vermißt wurden. Doch statt das deutsche Modell nach Europa zu exportieren, wurde das angloamerikanische Steuerungsmodell mit Mangagement-Handbüchern, Prozeßbeschreibungen, Tätigkeitsanweisungen und Zertifikaten auf das deutsche Eisenbahnwesen übertragen. Dem Ansinnen können sich weder die Bundesregierung noch die betroffenen Eisenbahnen samt ihres Branchenverbandes entgegenstemmen, und die Museumsbahnen schon gar nicht. Anderen bedeutet das ein Zuwachs an Einflussnahme, so dass z. B. sich das EBA das Thema gerne zu eigen macht und Leitfäden verabschiedet, die anschließend sogar noch Erläuterungen und Seminare nach sich ziehen.

Götz Walther, Fachbereichsleiter Eisenbahnbetrieb des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) gab in einem auf die Museumsbahnen zugeschnittenen VDV-Fachvortrag einen gründlichen Überblick über die Hintergründe und Geschichte von SiBe und SMS sowie den aktuellen Sachstand der Umsetzung. Anhand der zum 30. 8. 2010 erteilten SiBen scheint es im Sicherheitsniveau der europäischen Eisenbahnen ganz erhebliche Unterschiede zu geben: So haben z. B. 82 tschechische Eisenbahnen, 60 Bahnen im vereinigten Königreich und 44 in Rumänien so hohe Sicherheit nachgewiesen, dass ihnen eine SiBe ausgestellt wurde, während in Deutschland das EBA bisher von 340 Anträgen nur zwei Eisenbahnen dieses Sicherheitsniveau bescheinigen konnte. Als Übergangslösung bis zum Jahresende 2010 erhielten die genehmigten Eisenbahnen mit einem bestätigten Eisenbahnbetriebsleiter eine vorläufige SiBe. Hr. Walther zeigte sich zuversichtlich, dass es aufgrund der Diskrepanz zwischen der tatsächlichen Eisenbahnsicherheit in Deutschland und der Antragsbearbeitung durch das EBA zu einer politischen Lösung kommen werde, damit auch nach dem Jahreswechsel noch Eisenbahnbetrieb stattfinden könne. Diese Einschätzung hat sich mittlerweile bestätigt: Die Frist der vorläufigen SiBe wurde verlängert.

Harald Uhle, Eisenbahnbetriebsleiter Betrieb der Elbe-Weser Verkehrsbetriebe und Dampflokführer der Museums-Eisenbahn Minden, berichtete aus seiner Erfahrung bei der Aufstellung eines SMS für seinen Arbeitgeber. Der damit verbundene Arbeitsaufwand wird zu Beginn unterschätzt, der Teufel steckt im Detail. Da Museumsbahnen nach dem neuen Eisenbahnrecht nicht unbedingt als Eisenbahnverkehrsunternehmen genehmigt sein müssen, sondern auch als Regionalbahn oder als Fahrzeughalter tätig sein können, fallen auch die Anforderungen an das SMS unterschiedlich aus. Aber auch (bloße) Fahrzeughalter haben die Inbetriebnahme und Instandhaltung der Fahrzeuge so zu organisieren, wie es die Anforderungen an ein SMS bestimmen. Uhle regte die Kooperation von Museumsbahnen an, ein Muster-SMS für die individuelle Anpassung durch jeden Betroffenen aufzustellen.

Die Situation könnte sich für die Museumsbahnen bedrohlich zuspitzen und möglicherweise die Landschaft verändern, falls es nur wenigen gelingt, ein entsprechendes SMS zu entwickeln und eine SiBe zu erhalten. Auch zeichnet sich bereits ab, dass manche NE diese Aufgabe für die bisher betreuten Museumsbahnen nicht erledigen kann. Dann müssten sich diese Museumsbahnen künftig ganz auf das Befahren regionaler Infrastrukturen eingrenzen, sofern sie den Fahrbetrieb nicht ganz aufgeben wollen. Dieselbe Entwicklung dürfte auch viele der heute tätigen EVU betreffen, möglicherweise wird es in drei Jahren weitaus weniger (Museums-)Eisenbahnen in Deutschland geben als heute. Und hinter vorgehaltener Hand ist zu erfahren, dass genau das durchaus im Sinne manch eines Beamten in Regierungsverwaltung und Aufsicht liegen könne. Bei der Diskussion in Zittau wurde deutlich, dass viele Museumsbahnen diese Bedrohung so nicht sehen.

Wolfram Bäumer, Bruchhausen-Vilsen