Turbulenzen bei der Achenseebahn AG, Tirol

Turbulenzen bei der Achenseebahn AG, Tirol

Hatte es am Ende des Jahres 2013 so ausgesehen, als könne sich die Achenseebahn wichtigen Zukunftsprojekten widmen, zeigte sich nur ein Jahr später ein Bild von Zerissenheit: Der Aufsichtrat hat den langjährigen Vorstand von jetzt auf gleich suspendiert aus Gründen, die vielen als vorgeschoben erscheinen, der Aufsichtsrat ist gespalten, vier Aufsichtsratsmitglieder und ein hoher Anteil der Anteilseigner sind mit der Amtsführung des Aufsichtsratsvorsitzenden unzufrieden, jener hat die Neubesetzung des Vorstandes an einen Vertrauten und im Alleingang durchgeboxt. 

 

Zuggarnitur der Achenseebahn im Bahnhof Jenbach, alle Fotos: 19. 10. 2013, Wolfram Bäumer

 

Dem seit Oktober 2013 tätigen Vorstand Fuchshuber ist es nicht gelungen, die Anteilseigner und Mitarbeiter von seinem Führungsqualitäten zu überzeugen, eine angemessene 125-Jahre-Jubläumsfeier auszurichten und die angestrebte Weiterentwicklung des Unternehmens voranzubringen. Statt dessen waren im Jahr 2014 alle drei Bürgermeister der von der Achenseebahn berührten Orte gegen das Unternehmen aufgebracht.

Jenbachs Bürgermeisters Dietmar Wallner äußerte sich im August 2014 empört: „Das Verhalten der derzeitigen Führung gegenüber der Marktgemeinde, die ein jahrzehntelanger Finanzier der Bahn ist, ist gelinde gesagt ein Affront. Denn ohne vorheriges Gespräch wur­de eine negative Stellungnahme gegen den Pumpbehälter Fischl abgegeben. Dabei liegt eine Zu­stimmung des frü­he­ren Vorstandes vor. (...) Mit diesem Verhalten gefährden die neuen Herren den Fortbestand der Bahn. Denn ohne Mitfinanzierung der Gemeinden ist die Bahn dem Untergang geweiht. Unter den ge­genwärtigen Bedingungen ist eine weitere Investition von Gemeindegeld kaum zu rechtfertigen.“ [www.tt.com/panorama/gesellschaft/8878302-91/turbu lenzen-ohne-ende-bei-der-achenseebahn.csp]. Für Außenstehende offen dabei, ob die Bauvorhaben Jenbachs die Achenseebahn beeinträchtigen würden und somit objektiv abzulehnen sind oder ob der plötzliche Schwenk vom Ja zum Nein eher subjektiv begründet ist. Die aktuelle Entwicklung lässt letztgenanntes immerhin vermuten.

 

Blick in den historischen Lokschuppen mit den Dampflokomotiven

 

Anteilseigner und Aufsichtsrat

Mit der Emission von 1.957 neuen Inhaberaktien wur­de in 2009 das Kapital um die Hälfte auf jetzt 410.991 € erhöht, und so sind heute gut 400 Pri­vat­personen Aktionäre mit 69,8 %, unter ihnen auch Eisenbahn­freunde. Aus der Vergangenheit sind die Gemeinden Jenbach, Eben und Achenkirch Anteilseigener zu zusammen 30,2 %, die sich zwar an den letzten Kapitalerhöhungen nicht beteiligten, doch zusammen mit Bund, Bundesland Tirol, den Gemeinden Buch in Tirol und Wiesing sowie der Silberregion Karwendel und dem Touristikverbahnd Achen­see über die „Mittelfristigen Investitions-Programme“ zur Finanzierung der Bahn beitragen.

Auf der 121. ordentlichen Hauptversammlung am 24. 6. 2010, der ersten nach der Kapitalerhöhung, waren die Anzahl der Aufsichtsratsmitglieder und  deren Funktionsdauer festzulegen und sämtliche Mitglieder neu zu wählen: Kommerzialrat Christian Kittl (Vorsitzender), Ing. Jo­sef Hausberger (Bgm Eben, stv. Vorsitzender), Ing. Wolfgang Holub (Bgm Jenbach), Stefan Meßner (Bgm Achenkirch), Johannes Entner (Hotelier in Pertisau für den Tourismusverband Achensee), Mag. Georg Fuchshuber (für den Verkehrsverbund Tirol) und Mag. Franz Gasteiger (Politiker).

Den Aufsichtsrat bildeten also Vertreter der drei Anrainergemeinden, ein lokaler Hotelier, ein Angestellter des regionalen Verkehrsverbundes und zwei Privatpersonen. Nach dem Bürgermeister-Wechsel in Jenbach von Holub (SPÖ) an Wallner (ÖVP) ging im Jahr 2013 das Jenbacher Aufsichtsratsmandat nach einem Gemeinderatsbeschluss über das Einhalten der Frauenquote an die Gemeinderätin Sylia Schwaiger (FPÖ) über.

Der Salzburger Jurist und Politiker Magister Franz Gasteiger war Landes-Finanzreferent für das „Team Stronach“ (die politische Par­tei eines österreichischen Auto-Industriellen) und legte nach innerparteilichen Turbulenzen sein Amt dort nie­der, „er sei nur der Form halber bestellt gewe­sen, teilte er mit.“ [www.salzburg.com/nachrichten/salzburg/politik/sn/artikel/die-basis-zerbroeselt-heftige-turbulenzen-beim-team-stronach-65415/, 5. 7. 2013]. Diese Bemerkung offen­bart, dass Gasteiger sich in Ämter steuern lässt und selbst wenig Initiative entfaltet. Hält er es mit seinem Aufsichtsratsmandat der Achenseebahn auch so? Interessant auch, dass er darauf verzichtet, sich im Internet als selbständig denkender Jurist und Politiker zu präsentieren.

 

handbediente Schiebebühne zwischen Lokschuppen und Bahnhof

 

Die Personalie Christian Kittl

Der Salzburger Kommerzialrat Christian Kittl (Kittl & Co Wirtschaftstreuhand KG Buchprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaft) erwarb bei der Emission 2009 so viele Aktien, dass er nun der größte Anteilseigner der Achsenseebahn ist, so dass seine Wahl zum Aufsichtsratsvorsitzenden logisch erscheint. Dabei gelang es ihm auch, seine Salzburger Vertrauten Gasteiger und Fuchshuber in den Aufsichtsrat wählen zu lassen.

Zum Schwerpunkt seiner Arbeit soll er sich die Er­neuerung und Modernisierung des Rechnungswesens und die kaufmännischen Betriebsabläufe vorgenommen haben mit einem Blick auf die wirt­schaftlichen Ergebnisse. Das klingt vernünftig, immerhin hat die Achenseebahn AG durch die dringend notwendige Sanierung ihrer Infrastruktur Schulden angehäuft.

Wichtigste Aufgabe für den Aufsichtsratsvorsitzenden einer auf finanzielle Unterstützung von außen angewiesenen Touristikbahn soll­te sein, das Unternehmen als seriös, sympatisch und förderungswürdig darzustellen, um die Gremien der öffentlichen Hände zu entsprechenden Finanzierungsbeschlüssen zu motivieren. Dazu sollte der Aufsichtsratsvorsitzende für ein harmonisches Arbeiten im Aufsichtsrat und mit der Leitung und Mannschaft des Unternehmens sorgen. Kittl dagegen scheint in den vier Jahren seiner Tätigkeit das genaue Gegenteil erreicht zu haben.

Nach dem Paukenschlag gegen Marchi (s. wei­ter unten) äußerten die Marktgemeinde Jenbach und einige Anteilseigner aus dem Streubesitz ihre Unzufriedenheit über Kittl. Sie werfen ihm vor, sie schlecht zu informieren und Missachtung zu vermitteln. Kittl hat die Bitte von 115 Aktionären mit 23,5 % Aktienkapital nach einer außerordentlichen Hauptversammlung in den Wind geschlagen und ist dem Versprechen, auf der 125. Hauptversammlung am Freitag, den 29. 8. 2014, umfänglich zu informieren, nicht nachgekommen. Statt dessen hat er am Eingang versucht, mehr als zehn Aktionäre von der Teilnahme an der Hauptversammlung fernzuhalten, wobei er es sogar zu Handgreiflichkeiten hat kommen lassen und einen Aktionär als „Rotzbub“ beschimpfte. So musste er sich zum Schluss der Hauptversammlung den Vorwurf anhören: „So einen unsympathischen Vor­sitzenden wie Sie ha­ben wir noch nie gehabt.“ Ein anderer Aktionär äu­ßerte sich besorgt um die Zukunft der Bahn. [www.tt.com/panorama/gesellschaft/ 8878302-91/turbulenzen-ohne-ende--bei-der-achenseebahn. csp]. Aktionär Klaus Kiedmair schrieb dazu: „Der Ton war derart ätzend, da kam ich mir wie ein Schuljunge in einer Klasse vor, die von Oberlehrer Kittl (,für Sie bin ich immer noch der Herr Kommerzialrat’) in Be­zug auf Verhalten und konstruktiver Mitgestaltung abgekanzelt wurde – gerade so, als ob er diese Klasse am liebsten abgeben wollte.“ [www.tt.com/panorama/gesellschaft/ 8878302-91/turbulenzen-ohne-ende--bei-der-achensee bahn.csp?tab=diskussion]

Am Montag, den 1. 9. 2014 luden die heimischen Aufsichtsratsmitglieder (Hausberger, Meßner, Ent­ner und Schwaiger) zu einer Krisen-Pressekonferenz, auf der sie ihren Unmut über die rüde Vorgehensweise Kittls äußerten. „Wenn da einer aus Salzburg kommt, mit dem Hammer auf den Tisch haut und dann wieder weg ist, schadet das der Sache. Und wir können es gegenüber der Bevölkerung ausbaden,“ so Entner. Alle vier distanzieren sich vom unangebrachten Verhalten und schlechten Umgang des Vorsitzenden Kittl ge­genüber den Aktionären und Mitarbeitern und entschuldigten sich für die turbulente Sitzung.

In den vergangen Monaten sei so viel Porzellan zerschlagen worden, dass ein Neuanfang mit neu­en Köpfen her müsse. Auch die vielen Ge­genstimmen auf der Hauptversammlung bei der Entlastung des Aufsichtsrats signalisierten, dass das Vertrauensverhältnis der Anteilseigner zum Aufsichtsrat nicht in erforderlichem Maße vorhanden sei. Daher solle der personelle Neuanfang auch den Rücktritt des gesamten Aufsichtsrats bei einer außerordentlichen oder der nächsten planmäßigen Hauptversammlung mit einschließen.

Für Kittl kommt ein Verzicht natürlich nicht in Betracht, er sagte aber Kooperation mit den Gemeinden zu. Dies Versprechen verband er mit der Rechtfertigung, die Zügel gestrafft haben zu müssen, ohne sein Eingreifen sei die Bahn gegen die Wand gefahren [http://tirol.orf.at/news/stories/ 2666087/, www.meinbezirk.at/eben-am-achensee/politik/dieser-zug-ist-abgefahren-d1067631.html]. Doch hielt er sich erneut nicht an seine Versprechen und drückte die Vorstands-Neubesetzung durch, ohne die Achenseeregion einzubinden (s. weiter unten).

Aus der Ferne ist natürlich nicht zu beurteilen, was wirklich erforderlich ist und wie kritisch die Finanzsituation der Achenseebahn nach 2010 war. Es fällt aber schwer, an eine erfolgreiche Sanierung zu glauben, wenn sich ein „Sanierer“ in vier Jahren die meisten Beteiligten zu Gegnern gemacht hat.

 


Die Personalie Bernhard Marchi

Im Jahr des 100-jährigen Bahnjubiläums, 1989, hatte Ing. Bernhard Marchi die Leitung des Unternehmens in Nachfolge des Betriebsleiters Otto Schleifinger übernommen und war 25 Jahre lang von Hauptversammlung und Aufsichtsrat für sei­ne Tätigkeit entlastet worden, zuletzt am 27. 6. 2013 für den Jahresabschluss 2012 mit uneingeschränktem Bestätigungsvermerk des Wirt­schafts­­prüfers.

Unter Marchis Leitung lag die Nachfrage in den letzten Jahren konstant bei mehr als 100.000 Fahrgästen, hat die Gesellschaft im Rahmen mehrerer Investitionsprogramme erheblich in Anlagen und Fahrzeuge investiert und ein sieben Punkte umfassendes Zukunftsprogramm aufgestellt. So ist kein Wunder, dass die Tiroler Ta geszeitung den Ausdruck „Feuer am Dach“ wählte, als sie von der fristlosten Kündigung des Anstellungs- und Vorstandsvertrages mit Marchi nach einem einstimmigen Votum des Aufsichtsrates auf der kurz­fristig nach Wiesing einberufenen Aufsichtsratssitzung vom 3. 10. 2013 und dem von Kittl ausgesprochenen Hausverbot im Verlauf berichtete [www.tt.com/wirtschaft/standorttirol/ 7265473-91/achenseebahn-chef-suspendiert.csp]. Den zehn Mitarbeitern wur­de angewiesen, Marchi keine Auskünfte zu er­teilen und keine Anweisungen entgegenzunehmen. Kittl begründete die Suspendierung mit „ich würde von Uneinsichtigkeit sprechen“, Marchi ha­be weder etwas gestohlen noch unterschlagen [www.tt.com/panorama/verkehr/7297162-91/achenseebahn-dampft-unter-interims-chef.csp].

Da sich Marchi seit Januar 2001 in einem pragmatisierten Dienstverhältnis sieht und s. E. ohne Disziplinarverfahren unkündbar ist, erhob er Kla­ge beim Arbeitsgericht Innsbruck. Er begehrt ein Diszipliniarverfahren, damit die Vorwürfe juristisch geprüft würden. Marchi: „Kittl ist seit 2010 im Aufsichtsrat gesessen und 2013 war dann plötz­lich alles, was ich gemacht habe, unrecht – dann hätte Kittl aber drei Jahre lang geschlafen.“ [www.meinbezirk.at/fuegen/chronik/achenseebahn-harte-bandagen-d960425.html]. Den Aktionären gegenüber nannte Kittl Versäumnisse und Rechtsverletzungen Marchis als Grund, er soll ein Papier mit 14 Vorwürfen als Entlassungsgrund erstellt haben [www.tt.com/panorama/7919496-91/streit-bei-achenseebahn-besch%C3%A4ftigt-das-gericht.csp].

Kittl beschuldigt Marchi, einen Schaden von mehr als 1,5 Mio € durch Misswirtschaft verursacht, seinen Sohn Daniel (Leiter Infrastruktur, stv Betriebsleiter) über des­sen Qualifikation vergütet, einen Dienstplan mit Verstößen gegen das Arbeitsrecht verantwortet und 46.000 € aus Versicherungsleistungen in eine Schwarzgeldkasse überwiesen zu haben. Da das Führen einer Schwarzgeldkasse – selbst in gutgemeinter Absicht – den Straftatbestand der Bilanz­fäl­schung und Veruntreuung von Gesell­schafts­vermögen erfüllen würde, erstattete Kittl im Februar 2014 strafrechtlich An­zei­ge und machte zivilrechtlich Schadensansprüche geltend. Kittl wirft Marchi vor: „feh­lendes rechtliches Wis­sen, kein Wissen im Rechnungswesen, kein Wissen im Aktiengesetz, kein Wissen im Unternehmensgesetz, kein Wissen im Arbeitsrecht und in der Dienst- und Besoldungsordnung“ [http://tirol.orf.at/news/stories/2663533/].

Da fragt sich der Le­ser, wieso die Achenseegemeinden das Treiben ei­ner solchen „Niete“ fast 25 Jahre lang nicht bemerkt haben sollen und wieso sogar ein Steuerberater mehr als drei Jahre brauchte, bis er eine derartige Unfähigkeit beim Vorstand des von ihm kontrollierten Unternehmens entdeckt und be­­endet.

Eisenbahnfreunde beschreiben Marchi als fähigen Fachmann und sehr engagierte Führungskraft. Man traut ihm zu, immer das Beste für die Achenseebahn angestrebt und erreicht zu ha­ben. Daher auch das Entsetzen über seine plötzliche Suspendierung und die Anteilnahme für sein weiteres Leben. Allerdings gilt er – wie andere Eisenbahner auch – als kantige Persönlichkeit.

Auf der 125. Hauptversammlung am 29. 8. 2014 erhielt Marchi keine Entlastung für seine Tätigkeit in den gut neun Monaten im Jahr 2013. Seither warten alle Beteiligten gespannt auf das Arbeitsgerichtsverfahren, damit Kittls Vorwürfe dort entweder qualifiziert bestätigt oder ausgeräumt werden. Doch während die Staatsanwaltschaft Inns­bruck das Er­mittlungsverfahren mangels Schuldnachweis Marchis schon bald wieder eingestellt hat, endete die Auseinandersetzung vor dem Arbeitsgericht mit einem Vergleich, dessen Inhalt nicht bekannt geworden ist.

 

Die Personalie Georg Fuchshuber

Magister Georg Fuchshuber und Kittl betreiben seit mehr als 20 Jahren als Geschäftsführer bzw. geschäftsführender Gesellschafter in Eugendorf bei Salzburg die Firmen BVO Beratung, Verkehrsplanung und Organisation GmbH und die BVO Beratung, Verkehrsplanung und Organisation GmbH & Co. KG. Diese Unternehmen haben einen Gesellschafter und zwei Manager. Doch scheint das Organisationsvermögen für ei­nen BVO-Firmenauftritt im Internet nicht auszureichen, so dass hier nicht offenbar wird, was die beiden Manager eigentlich leisten wollen.

Von 2002 bis zum 31. 1. 2010 war Fuchshuber einer von zwei Geschäftsführern des Verkehrsverbunden Tirol GmbH (VVT) und legte die Verantwortung nieder, „um sich dann beruflich neu zu orientieren“ [http://www.vvt.at/page.cfm?vpath=aktuell/ presse&genericpageid=4431]. Was nach einem selbstbestimmten Wechsel klingt, ist für die Unternehmenskommunikationen die übliche Umschrei­bung für Rausschmiss – so auch in diesem Fall?

Später legte er als Mitglied des Aufsichtsrates das Un­ternehmenskonzept „Geschäftspolitik Achen­seebahn 2014 – von der Dampfzugbahn unterwegs zu einem neuen Verkehrsunternehmen“ vor, wie Marchi im Geschäftsbericht 2012 lobend erwähnt. Im Herbst 2013 gehörte Fuchshuber zu den Mitgliedern des Aufsichtsrats, die für die Suspendierung Marchis gestimmt haben. Danach beauftragte Kittl ihn zum in­terimistischen Vorstand.

Natürlich sollte der Vorstand im Laufe des Jahres 2014 nach einem ordentlichen Verfahren und in Abstimmung mit den Achenseegemeinden neu besetzt werden. Doch wer gedacht hat, von den 13 Bewerbern würden einige in die nähere Wahl kommen und sich dem Aufsichtsrat vorstellen dür­fen, sieht sich getäuscht: Kittl wischte 12 Bewerbungen ohne weiteres vom Tisch, traf die Wahl im Alleingang – wie durch ein Wunder – auf seinen Geschäftspartner Fuchshuber mit einem auf fünf Jahre laufenden Vorstandsvertrag.

Die heimischen Auf­sichtsratsmitglieder Hausberger, Meßner und Entner stimmten denn auch in der Aufsichtsratsitzung Mitte Dezember 2014 ge­gen die Bestellung Fuchshubers. Die Jenbacher Ge­­meinderätin Schwaiger hat gegen den Auftrag ihres Ge­mein­de­rates, so Jenbachs Bürgermeister Wall­ner, mit Kittl und Gasteiger für Fuchshuber gestimmt und dabei sogar „ein gutes Gewissen“. Mit der bei Gleich­heit aus­­schlaggebenden Stim­me des Aufsichtsrats­vorsitzenden hat sich nun nur der halbe Aufsichtsrat für Fuchshuber entschieden – keine beneidenswerte Ausgangsbasis.

Fuchshuber wird für seine diversen Busverkehrs- und Schnittstellenkonzepte gelobt, doch Hinweise auf Führungsqualitäten sucht man trotz der langjährigen Führungstätigkeiten bei der Ledermair GmbH, beim VVT und der BVO im Internet vergebens. Man darf vermuten, dass es ihn in einen entsprechend dotierten Vorstandsvertrag drängte. Und da er mit Kittl verbunden ist, lag sein Eintritt bei der Achenseebahn nahe. Zuvor müssten ein paar Vorwürfe gegen Marchi aus­gegraben werden, dann wäre der Weg frei. Wenn da etwas dran wäre, würde die Achenseebahn jetzt von jemandem geführt, den nicht sei­ne fachlichen und sozialen Kompetenzen ins Amt gehoben ha­ben, sondern die Seilschaft aus einem Salzburger Steu­erberater und zwei „blauen“ Politikern. Hoffentlich tun wir Fuchshuber mit solchen Vermutungen unrecht, und möge ihm in Zukunft ge­lingen, was im Jahr 2014 ohne Erfolg blieb.

 

Ausblick und Fazit

Nach allem sind die Jenbacher und Ebener Bürgermeister sauer auf die Achenseebahn. Worte wie, Kittl habe eine „Schlacht, aber nicht den Krieg gewonnen“, er zeige permanent mangelnde Kommunikationsfähigkeit und die Drohung, bei den nächsten Investitionen nicht mehr mitzumachen, „denn Zahler allein zu sein, ist mir zu wenig“ sollte dem Team Kittl-Fuchshuber eine ernsthafte Warnung sein. Der Hotelier Entner empfindet Kittls Vorgehen als Kriegs­er­klä­rung an die Aufsichtsratsmitglieder der Region und ist von seinem Mandat zu­rückgetreten [Quelle].

Die Achenseebahn mit ihren aus der Technik bedingten besonderen hohen Aufwendungen (Zahnradantrieb, Schmalspur, Dampftraktion), ihrer durch Sitzplätze je Zug und Eingleisigkeit mit wenigen Kreuzungsbahnhöfen begrenzten Möglichkeit zur Produktionssteigerung und ihrem Saison­betrieb kann prinzipiell nicht eigenwirtschaftlich arbeiten. Denn während andere Bergbahnen sehr hohe Fahrpreise durchsetzen können, ist die Zahlungsbereitschaft der Touristen hier begrenzt, zu­mal die Achsenseebahn keinen Aussichtsberg be­zwingt und alle Stationen auch mit Pkw erreichbar sind. Das am Markt absetzbare Produkt ist auf ein schönes Fahrerlebnis begrenzt.

Für einen dauerhaften Betrieb ist das Unternehmen also auf öffentliche Mittel angewiesen. In Österreich – wie auch in Deutschland – wird der Nahverkehr mit Zügen (SPNV) aus Mitteln des Bundes, z. T. ergänzt der Länder, gefördert. In Österreich dienen dazu insbesondere die „Mittelfristigen Investitionsprogramme“ (MIP), aus denen auch die Achenseebahn seit den 1980er Jahren Mittel für ihre (Ersatz-)Investitionen erhalten hat, zuletzt im MIP 2010 – 14 insgesamt 3,5 Mio € [Quelle] bzw. rechnerisch 700.000 € pro Jahr. Obwohl die Achenseebahn seit 1889 unverändert als dampfgeführte Zahnradbahn Touristen vom Staatsbahnhof Jenbach zum Achensee und zurück befördert hat, war sie im MIP 2015 – 2019 als einzige Privatbahn Österreichs plötzlich nicht mehr enthalten, da sie „eine rein touristische Einrichtung“ sei, so ein Beamter der Verkehrsabteilung des Bundeslandes Tirol. Manch einer scheint dafür einen Zusammenhang zu sehen [Quelle] zu der am 3. 10. 2013 erfolgten Kündigung des langjährigen Vorstandes Bernhard Marchi.

Ohne diese Fördermittel sieht das Aufsichtsratsmitglied und Bürgermeister der Gemeinde Eben Josef Hausberger die Achenseebahn mittlerweile in einer „prekären Situation“. Die Instandhaltung der nun mal besonders aufwendig zu unterhaltenen historischen Zahnrad-Dampfloks sind kurzfristig 300.000 € fällig, von denen die Hälfte ein freiwilliger Zuschuss des Landes Tirol übernimmt. Für die andere Hälfte nimmt die Achenseebahn AG einen Bankkredit auf, für den die Gemeinden Jenbach, Eben und Achenkirch mit einer Bürgschaft haften [Quelle]. Damit kann die Achenseebahn am 29. 4. 2017 ihre neue Fahrsaison starten.