Culemeyer-Betrieb in Bruchhausen-Vilsen

Blickt man „nur“ 25 Jahre zurück in die 1980er Jahre, scheint manches heute schon unendlich weit zurückzuliegen, und man kann hin und wieder richtig wehmütig werden. Sollte man es obendrein wagen, nach einigen Gläsern Bier jungen Museumsbahnern von der Eisenbahnwelt mit Kurswagen, Stückgutumschlag und Einzelwagen-Güterverkehr zu erzählen und womöglich ins Schwärmen zu geraten, muss man sich auf verwundert dreinblickende Gesichter gefasst machen. Und dann wird klar, was wohl unsere Eltern, deren Geschwister und Freunde empfunden haben, als sie uns von den damals auch mal gerade 25 Jahre zurückliegenden Erlebnissen mit Bombennächten, Tieffliegern und vor Stalingrad erzählten, und wir nichts davon hören wollten. So ist wohl verständlich und gerne zu akzeptieren, wenn jüngere Eisenbahnfreunde sich mehr für aktuelle Sichtmeldungen und Fahrtermine bei drehscheibe-online interessieren als für die vermeintlich gute Zeit von damals.


Bruchhausen-Vilsen, 25. 5. 1988, Fotos: Wolfram Bäumer


In den 1980er Jahren gab es auf den VGH keinen Reisezugverkehr mehr, und der Güterverkehr war auch schon deutlich geschrumpft. Außerhalb der Rübenkampagne gab es in der Regel aber noch ein werktägliches ein Güterzugpaar zwischen Hoya und Syke, zwischen Hoya und Eystrup mag der Verkehr dichter gewesen sein. Im Laufe des späteren Vormittags spürte man in der Werkstatthalle des DEV das Vibrieren und hörte das sonore Brummen der V-36-Loks, wenn der Zug vom Brokser Marktplatz in den Bahnhof Bruchhausen-Vilsen kam. Hier gab es am Bahnhofsgebäude Stückgut aus- und einzuladen, danach wurde rangiert. Die Raiffeisen-Genossenschaft war Kunde, und manchmal wurden mit Holz beladene Wagen an die Ladestraße gestellt. So konnte es durchaus eine halbe Stunde dauern, bis der Güterzug nach Syke weiterfuhr und in Bruchhausen-Vilsen wieder Ruhe einkehrte.

Ein paar Jahre lang wurden auch gedeckte Güterwagen herangebracht für einen Kunden ohne eigenen Gleisanschluss: Kartoffel Eh­lers (Landwirtschaft und Großhandel) in Scholen erweiterte zu dieser Zeit das Geschäftsfeld um italienische Frühkartoffeln. Diese kamen in größerer Zahl, manchmal in italienischen G-Wagen mit Spitzdach. Als das Umladen zu aufwendig wurde, baute die VGH ein Gleis auf dem Gelände von Kartoffel Ehlers, so konnten die beladenen Eisenbahn-Waggong auf Culemeyer-Wagen auf der Straße vom Bahnhof Bruchhausen-Vilsen nach Scholen und die entladenen wieder zurück gelangen. Für eine weitere Gleisverlängerung machte damals der schon beim DEV vorhandene Normalspurflachwagen beladen mit Schienen und Schwellen einen Ausflug nach Scholen.

Dazu hatte die Nienburger Spedition Friedrich Franke eine betagte Faun-Zugmaschine und einen Culemeyer-Wagen im Umlauf, im Bahnhof Bruch­hausen- Vilsen lag ständig eine mobile Auffahrrampe he­rum. Im eingepflasterten Bereich des damaligen Laderampengleises ging es wie am Schnürchen: Die Straßeneinheit kam mit einem entladenen Güterwaggon, der wurde abgeladen. Nach dem Drehen der Straßeneinheit konnte der nächste be­ladene Güterwaggon auf den Culemeyer-Wagen gezogen werden. Schließlich wurde der Waggon verzurrt, eine warnende Rundumleuchte aufgesteckt, die Laderampe abgebaut, und ab ging die Post.